Es ordnet sich

Juni 2018 – Partynacht in Eferding
Nach einem Geburtstagsfest bei lieben Freunden in Oberösterreich übernachte ich spontan bei einer ebenfalls eingeladenen Nachbarin, die ich auf der Party kennenlerne. Ich weiß nur ihren Spitznamen, und als wir gemeinsam nicht mehr ganz nüchtern durch die Dunkelheit zu ihrem Haus in einer nahen Siedlung stolpern, ist es schon ziemlich spät. Am nächsten Morgen sitzen wir dann aber noch lange mit einem Frühstückskaffee in ihrem Garten, plaudern über Gott und die Welt – und über Bücher.

Sie legt mir „Die Älteste“ von Thomas Sautner ans Herz, sie habe es bereits mehrfach gelesen und es liege immer auf ihrem Nachtkastl. Erst als ich im Zug sitze und die Visitenkarte meiner neuen Bekannten ansehe, sehe ich, dass auch sie Sautner heißt. Ich frage mich, ob Thomas Sautner vielleicht mit ihr verwandt ist. Gleich vorweg – ist er nicht. Ich besorge mir das Buch und bin davon begeistert, beeindruckt und tief berührt. Es geht um eine Frau, die einen inoperablen Hirntumor hat und sich als letzten Ausweg in die Hände einer alten Heilerin und gerissenen Alten im Waldviertel begibt. Ein Buch voll tiefer Weisheit, Zuversicht, Humor und feiner Schwingung.

Juli 2018 – Strahlentherapie und Steingeschenk

Bei meinem wöchentlichen Parktraining lerne ich Sonja kennen. Sie hat Krebs und steht gerade vor der Entscheidung, sich nach ihrer Chemo in Strahlentherapie zu begeben. Ich empfehle ihr das Sautner-Buch, außerdem bringe ich ihr das nächste Mal einen blau gemusterten Stein mit, auf dem „Es ordnet sich“ steht. Eine Affirmation, die ich für sie empfangen habe, als ich an sie und ihre Geschichte dachte.

Beim nächsten Treffen erzählt sie mir, dass das Buch für sie eine Offenbarung war, genau richtig zur richtigen Zeit. Und sie erzählt mir auch, dass der Autor Thomas Sautner Schreibseminare im Waldviertel anbietet, sie habe sich gleich für eines im Mai angemeldet. Einige Monate später melde auch ich mich dafür an, ein Wochenende schreibend in der Natur in einer einsamen Gegend zu verbringen. Auch meine Eferdinger Freundin nimmt zu meiner großen Freude mit mir teil. Sie erzählt mir später, dass es eigentlich sie war, die ihrer Nachbarin „Die Älteste“ empfohlen hatte.

Mai 2019 – Wandern und Wunder im Waldviertel

Es wird ein magisches Wochenende, an dem ich viel Zeit für Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen habe. Sonja erzählt mir, dass sie dann nach einigem Hin und Her doch zur Strahlentherapie gegangen ist – und das Gerät quasi gesprengt hat. Denn es wurde tatsächlich kaputt, bestrahlen war nicht mehr möglich. Zumindest nicht an diesem Tag. Als wir im Waldviertel gemeinsam durch die einsame Natur wandern, reden wir viel über ihren Weg zur Heilung, der sich mittlerweile ganz klar abzeichnet. Momentan (Juli 2019) ist Sonja auf Bali mit ihren Kindern, ihre Chancen stehen gut.

Viel habe ich von diesem wettermäßig feuchtkühlen Waldviertel-Ausflug mitgenommen, meine geliebte Haube und meine Handschuhe habe ich dort leider vergessen. Vermutlich im idyllischen Haus von Thomas, der aber vorerst nichts findet. Einige Zeit später bekomme ich dann doch ein Mail, die Haube sei tatsächlich aufgetaucht, auch meine Handschuhe.

Juni 2019 – Überraschungspost vom Lieblingsautor

Nochmals vergehen zwei Wochen, mittlerweile ist es Mitte Juni und die erste große Hitzewelle lähmt die Stadt. An meine Haube denke ich zu der Zeit nicht mehr. Am heißesten Tag des Frühsommers liegt dann ein Packerl in meinem Postkasten. „Servus Ines! Damit Du nicht frierst! Wien, 35 Grad im Schatten. Thomas“.

So hat auch die Haube wieder zu mir zurückgefunden. Alles macht Sinn, alles ordnet sich, alles findet seinen Platz sobald die Zeit reif dafür ist. Und schöne Überraschungen bereitet uns das Leben auch immer wieder.

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