Enttäuschung am Valentinstag


Als ich letztes Jahr am Valentinstag von der Arbeit nach Hause kam, stand auf meinem Platz am Esstisch ein Valentinstags-Geschenk meines Liebsten. Aber als ich es voll freudiger Erwartung inspizierte, war ich schockiert. So sehr, dass ich mich nicht einmal dafür bedanken konnte. Denn es waren die hässlichsten Blumen, die ich je bekommen hatte. Eine orangeblühende Topfpflanze in einem orangen Topf.

Schwer beleidigt statt hoch erfreut

Ich mag keine Topfpflanzen und versuche seit Jahren, unsere Wohnung topfpflanzenfrei zu halten. Denn ich habe mit meinen Balkonblumen und dem Garten genug zu tun, und es fehlen uns Fensterbretter als ideale Standorte. Und außerdem ist Orange die Farbe, die ich am allerallerwenigsten mag. Was war meinem Mann da nur eingefallen? Ich war beleidigt statt erfreut und verkroch mich ins Schlafzimmer. Dass meine Lieblingsschokolade („Reese’s Peanut Butter Cups“ – mmmmh!) daneben lag, ignorierte ich. Wer schmollen will, der tut das auch.

Aus Männersicht alles bestens

Ja, ich weiß, das klingt absolut lächerlich. Ich hätte mich auch einfach freuen können, egal wie die Blumen aussahen, schließlich zählte der Wille. Und am nächsten Tag, als ich mich wieder beruhigt hatte (ich hatte mich in der Zwischenzeit auch bedankt!), schaffte ich es auch, sanft nachzufragen, was er sich denn dabei gedacht hatte, der Liebste. Natürlich hatte er es von Herzen lieb gemeint. Es waren die schönsten Blumen gewesen, die er im Supermarkt-sperrt-gleich-zu-Stress finden konnte und er hatte sich auch noch extra erkundigt, ob man die Blumen später im Garten aussetzen könnte. Er wüsste ja, dass ich keine Wohnungsblumen möge. Er fände das Orange so fröhlich, und überhaupt wäre das ja eine total schöne Blume. Mit farblich passendem Topf. Und mal was anderes! So eine hatte ich doch noch nicht? Meine Welt war wieder halbwegs in Ordnung. Wieder einmal war ich in die „Erwartungs-Falle“ getappt.

Reden statt rosa Brille

In einem meiner neuen Lieblingsbücher („Gelassenheit“, Süddeutsche Zeitung Edition) steht zum Thema „Romantische Erwartungen“, dass es eine menschliche Besonderheit sei, dass wir ständig eine Erwartungshaltung über den künftigen Lauf der Dinge entwickeln würden. „Es sind die Erwartungen, die die Dinge so schwierig machen“. Das unterschreibe ich! Wenn Erwartungen erfüllt werden, löst das meist wenig Dankbarkeit aus. Wenn Erwartungen enttäuscht werden, macht uns das aber oft sehr unglücklich. Die AutorInnen des Buches raten sogar zu einem gewissen Pessimismus in Liebesbeziehungen, um der alles gefährdenden und leicht zu enttäuschenden Hoffnung auszuweichen. Mein Weg ist eher der, immer wieder über gegenseitige Erwartungen zu sprechen. Hätten wir das nämlich nicht getan, hätte ich wahrscheinlich gar nichts zum Valentinstag bekommen, denn meinem Mann sind diese Tage relativ egal, er schenkt lieber spontan.

Wende zum Guten mit viel Gelächter

Jedenfalls konnte ich am nächsten Tag schon darüber schmunzeln und schickte einer Freundin ein Foto des Valentinstags-Missgeschick mit den Worten, mein Liebster kenne mich wohl gut, denn er habe dieses Jahr die Blumen nach der Farbe der Schokolade ausgesucht. Und dann wurde es richtig lustig: Sie schickte mir ein Foto zurück, auf dem exakt die gleiche Blume im exakt gleichen orangen Topf zu sehen war – sie hatte sie gestern von ihrer Mama bekommen und sich über deren Geschmacklosigkeit genauso geärgert wie ich über die meines göttlichen Gatten.

Ans Herz gewachsen und doch gestorben

Dann machten meine Freundin und ich am nächsten Tag beide das Gleiche, ohne es voneinander zu wissen: Wir stellten die ungewünschte Orangeblüherin in einen anderen, viel hübscheren Übertopf und entsorgten heimlich den ursprünglichen, orangen. Monate später saß ich dann bei meiner Freundin im Garten und entdeckte die besagte Pflanze gut versteckt in einem hinteren Winkel. Einen ähnlichen Platz hatte ich auch für meine in unserem Garten gefunden. Wir haben also noch einmal herzlich über die Valentinstags-Geschichte und unseren synchronen Umgang damit gelacht. Fast ein bisschen schade, dass beide Pflanzen den heißen Sommer im Freien nicht überlebt haben, denn irgendwie sind sie uns ans Herz gewachsen.

Und egal was mir mein geliebter Valentinstags-Spezialist dieses Jahr beschert, ich lasse mich überraschen – ohne zu werten und ohne mich von meinen eigenen Erwartungen beeinflussen zu lassen. Und die Schokolade hat mir noch jedes Mal geschmeckt 😉

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